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Hintergründe
Sha'ar laAdam - Bab l'il Insan
Der Name der Begegnungsstätte in Israel bedeutet soviel wie „Tor zum Menschen“. Dabei klingt die biblische Schöpfungsgeschichte an, in deren Mythos Gott den Menschen in seinem Bilde erschuf, auf dass er werde wie sein Schöpfer. Die englische Übersetzung „Gate to Humanity“ gibt diese Bezüge nur sehr unvollkommen wieder, und auch im Deutschen ist der Anklang an das Unvollkommene deutlich schwächer. Der werdende Mensch des hebräisch-arabischen Namens ist als Arbeitsprinzip der Begegnungsstätte eine wesentliche Orientierung: In jedem Menschen auf das zu schauen, was mehr ist als sein kultureller Ausdruck es sichtbar werden lässt, und anzuregen, die Möglichkeiten des Menschseins in sich zu entwickeln.
Galiläa
Der Norden Israels, Galiläa, wird mitunter das Land des Lebens genannt - eine verhältnismäßig fruchtbare Landschaft, die in der Geschichte des Landes immer wieder zum Treffpunkt, zum Begegnungszentrum, zum Durchgangsort wurde. Seit der Gründung des Staates Israel im Jahre 1948 leben hier Angehörige der verschiedensten Völker in alten und neuen Orten und Siedlungen - muslimische und christliche Araber, Beduinen, Drusen und Tscherkessen sowie Juden mit unterschiedlichstem kulturellem Hintergrund. Eine komplizierte soziale Wirklichkeit lebt in diesem äußerlich meist friedlichen Nebeneinander: Solange es nicht zum Miteinander wird, droht die Gefahr ethnischer, sozialer und religiöser Konflikte, die in dieser Weltengegend schnell weitgreifende Folgen haben können.
Gafahren der Entfremdung
Die arabischen und jüdischen Siedlungen in Galiläa sind einander oft sehr fremd. Dafür gibt es viele Gründe: soziale, ökonomische, historische, kulturelle. Die politischen Entwicklungen der letzten Jahre haben die Entfremdung weiter voran getrieben und bei vielen Galiläern Frustration und Verbitterung ausgelöst. Einer der wesentlichen Gründe der Entfremdung ist von jeher die soziale Ungleichheit zwischen den Bevölkerungsgruppen. Diese nimmt in letzter Zeit zu und wird immer schwieriger zu überbrücken. Nordisrael hat die höchste Kinderquote des Landes, und die meisten dieser Kinder sind nicht aus den jüdischen Bevölkerungsteilen (62,3%) sondern leben in den arabischen, beduinischen, drusischen und tscherkessischen Gemeinden. Diese Orte haben nur wenig Mittel für Sozialfürsorge und kulturelle Aktivitäten, was insbesondere für die Minderheiten innerhalb der arabischen Bevölkerung gilt (Beduinen, Drusen, Tscherkessen), bei denen es oft sogar schon an der grundlegenden Infrastruktur wie Wasser und Elektrizität fehlt. Die Kinder und Jugendlichen von Galiläa sind hochgradig gefährdet - gefährdet, der Gesellschaft den Rücken zuzuwenden oder sich offen gegen sie zu stellen.
Herausforderungen und Chancen
Um die Lage der arabischen Bevölkerung in Galiläa nachhaltig zu
verbessern, ist es notwendig, Kindern und Jugendlichen Angebote
zu machen, die sie ermutigen, das Beste aus ihren Möglichkeiten zu
machen - die Schule mit einem Abschluss zu beenden und die
Werte ihrer und anderer Kulturen kennen zu lernen und damit ein
besseres Selbstbewusstsein zu entwickeln, ihre Kraft in eine positive
Richtung zu lenken.
Außerdem besteht die
Notwendigkeit, den verschiedenen
Bevölkerungsgruppen Möglichkeiten
zur Begegnung zu bieten,
voneinander zu lernen und in aller
Freiheit eine Grundlage für
Gleichheit und Brüderlichkeit zu
schaffen. So könnte allmählich eine
Kultur gleichberechtigter Bürger die
Abhängigkeiten ablösen, die zu
Konflikten führen müssen.
Wenn wir in diese Zukunftsmöglichkeiten
nicht heute investieren, wird
die Entfremdung zwischen den
Bevölkerungsgruppen zunehmen
und das Nebeneinander wird früher
oder später in ein Gegeneinander
münden, dessen Folgen für die
Region unabsehbar sind.
Im Umfeld der Begegnungsstätte möchten wir beginnen, ein solches Miteinanders zu verwirklichen |